at last, doctor, at last! oder doch nich? doch, es zuckt noch!
oh ja, nee, das ist nicht ganz unwichtig, das zucken. schwierig, wenn man so tiefgründig ist wie du. da sind die psychopharmaka vorprogrammiert, und das farblose sowieso, gern auch obskure texte, die jeder kennt und aus dem zusammenhang reißt und sich an die wand schmiert und auf den rucksack und den linken schuh. das macht das scheiße-finden einfacher, auf beiden seiten.
versuch nicht allzu offensichtlich zu sein, ok? mysterien sind so selten heutzutage! lies ma was anspruchsvolles! oder stell's dir wenigstens ins regal, falls mal einer zu besuch kommt. mach doch mal ne band auf und versage dich allen einflüssen, die brauchst du nicht, du bist zu talentiert! strick dir doch mal deine eigenen socken, das ist individueller! am besten in farben, die nicht zusammenpassen! tätowier dir doch mal den zugangscode zu jeder szenedisko in sternform auf den ellenbogen, dann erkennt dich jeder wieder! diskutier mit jedem, der längst aufgegeben hat, über bands, von denen du dich verraten fühlst, weil dein nachbar die CD auch schon hat.
oder geh zum ballett und mach dich über all das lustig. kategorisier bands, die du nicht kennst, in grund und boden, weil du ihre haare scheiße findest. mach ne reitbeteiligung und guck dir tanzfilme an mit deinem besten schwulen freund, der so schwul gar nicht mehr ist, wenn es erst mal finster wird. oder gerade dann.
aber denk dran, die cola an der tanke ist immer am teuersten und wenn die schokolade da so einen milchigen film hat, dann schmeckt sie nach pappe. klau mal was in der drogerie, was keiner braucht. rauch zuviel, auch sachen, die du nicht aussprechen kannst, trink doch mal was grünes! trag dochmal ein kleid, das dir nicht steht, trau dich doch mal, so in die schule/uni zu gehen, du rebell. färb dir die augenbrauen und spiel den gutmenschen, wenn ihn keiner gebrauchen kann. geh auf konzerte, bis du nicht mehr weißt, wieso eigentlich, du weißt eh nicht, wer spielt. fahr mal nach irgendwoanders und zwing uns die immergleichen fotos auf!
wichtig ist ja nur, dass du was zu erzählen hast, später, wenn du nichts mehr erlebst. wichtig ist ja nur, dass du später immer noch so tun kannst, als wüsstest du, wovon du redest, weil du dabei warst (glaubst du zumindest). wichtig ist nur, dass dich keiner für tot erklärt, später, während du noch zuckst und dich fragst, wieso dir keiner zuhört.
Mittwoch, 3. September 2008
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