
neulich saß ich vor dem fernseher und entschied mich, doch nicht umzuschalten, als "what women want" lief ("was frauen wollen" ist der ausnahmsweise mal sinnvolle deutsche titel). ich hatte den film natürlich vorher schon mindestens einmal gesehen. mel gibson, der durch einen fönschlag im bad plötzlich die gedanken von frauen hören kann. helen hunt, seine toughe arbeitskollegin, bzw ich glaube seine vorgesetzte - auf jeden fall seine aktuelle lieblings-konkurrentin, die er mit seiner neuen fähigkeit auch gleich kräftig bekämpft. blabla. natürlich fangen sie dann bald was miteinander an, und am ende versöhnen sich mann und frau und tirrili.
ich habe den film immer gehasst. weil:
1. mel gibson *blgh!
2. helen hunt, bei deren filmen ich mich nicht konzentrieren kann, weil ich ständig nachgrüble, ob sie nicht doch lesbisch ist.
3. hetenschmonzette *doppel-blgh! ein elendes klischee-gedöns, frauen, die pausenlos an schuhe denken und sich ansonsten in unsicherheiten winden, weil männer sie immer so unschön behandeln und emotional hängen lassen.
4. vor allem der schluss des films: mir war da noch ein blöder satz im kopf von einem ritter in goldener rüstung. ganz schrecklich.
5. also wirklich!
als ich den film diesmal sah fiel mir das ende nicht sonderlich negativ auf und ich wunderte mich, dass ich den film so schlecht in erinnerung hatte. klar, er war auch diesmal nicht großartig, das ende war "so schrecklich auch wieder nicht", aber ich fand den film "schon okeee". also, was war passiert? vor jahren hätte ich auf den vorschlag hin, den film überhaupt sehen zu wollen, mit hasstiraden reagiert und mit einer mindestens 10minütigen ansprache über heterosexismus, pärchenwahn und klischeebilder, butler und überhaupt. anschließend hätte ich mich sicherlich noch ausführlich über mel gibson augelassen, verächtlich die rezension der jungle world zu "die passion christi" zitiert oder ähnliches. diesmal saß ich chips-essend vor dem fernseher und dachte mir "och ja, ist doch nett"...
ich kenne jemanden, der asylpolitik für einen kirchlichen träger macht (als lohnarbeit) und sich dadurch für linkspolitisch hält. in seiner WG zeichnet er sich vor allem durch soziale inkompetenz und ignoranz seinen mitbewohnerInnen gegenüber aus. normalerweise könnte ich ihn mal gut konfrontieren wegen seines ätzenden verhaltens und ihn auch gleich mal von seinem schicken linksradikalen-ross schubbsen. tu ich aber nicht. wieso?
vor ner weile gefiel mir plötzlich ein nina simone lied. früher fand ich ihre musik nur langweilig - kein gitarrengeschrammel, absoluter minuspunkt. außerdem machte ich heute meiner zahnärztin ein kompliment für ihre weihnachtsdeko (rote und weiße plastiktannen, XXL). zu meiner verteidigung kann ich nur anbringen, dass die teile so trashig sind, dass sie schon wieder cool waren. aber wer sollte mir so eine blödsinnige ausrede glauben?
da drängt sich jetzt natürlich die bange frage auf: werde ich alt? BIN ICH ETWA SCHON ALT GEWORDEN?! sterben meine coolness-hirnzellen so langsam ab? finde ich bald wolfgang petry groovy und gehe zu 40+ parties, weil da endlich mal wieder gute musik gespielt wird? tja. bald werde ich 31 - in worten einunddreißig. mich gabs also schon in den 70ern, wenn auch nur knapp. werde ich jetzt weich? kann ich mir bald ein reihenhaus und eine hochzeit (jaja, eingetragene dingsens...) vorstellen? kaufe ich mir einen dackel und klebe mir tapeten an die wände? zur arbeit trage ich ja auch keine politischen t-shirts mehr. und neulich bin ich schon um 21.oo abends ins bett gegangen. um zu schlafen. weil ich so müde war.
oder bin ich es einfach leid, mich über dinge aufzuregen, die ich eh nicht ändern kann? mich mit leuten auseinanderzusetzen, die mein luftholen doch nicht wert sind? wenn ich aber meine einstellung, meine meinung, meine überzeugung reflektiere, muss ich sagen: das ist alles noch ziemlich so wie früher. aber warum trage ich es dann nicht mehr so nach außen wie früher? were they out to get me? und haben sie es etwa geschafft?
wenn ich jetzt noch anfange, die gilmore girls toll zu finden, dann is aber schluss, da mach ich nicht mehr mit, dann wars das aber.
wir gaukeln uns vor, wir könnten den grad
unserer zerstörung kontrollieren
eine einzige sache unter kontrolle
man mag die dinge, die man nicht verliert
man versucht, sich zu ändern,
doch man lacht uns aus
sie lachen zurecht und wir lachen auch
- tomte -
unserer zerstörung kontrollieren
eine einzige sache unter kontrolle
man mag die dinge, die man nicht verliert
man versucht, sich zu ändern,
doch man lacht uns aus
sie lachen zurecht und wir lachen auch
- tomte -


um mal wieder den guten alten Joshua zu zitieren "sometimes it`s so hard and complicated to see this world - unjaded..."
AntwortenLöschenWenn man sich gegen alles auflehnt und sich bei allem zu wehren versucht, kann das eine im Leben sehr anstrengende Grundhaltung werden. Jeden Tag können einen Erfahrungen dazu bringen, die Dinge anders zu sehen oder gar zu fühlen. Auch diese Flexibilität ist ein Art Freiheit.
Das ist doch was Gutes - oder?
(noch gute Besserung)
JBF
ich habe mich sehr amüsiert, vielen dank.
AntwortenLöschenund falls es dir irgendwie sicherheit verleiht, dass es soooviel schlimmer nicht werden kann: nicht mal ich finde die gilmore girls gut.
greetings
sk
p.s.: ohne nina simone hätte es die tolle muse version von feeling good nicht gegegen. allein dafür lohnt es sich doch sie zu mögen. ;)
ich schließe mich sk volle kanne an.
AntwortenLöschenund sie werden nicht alt, frollein, nur weise ;o)
ach, viiielen dank! bin gerührt. auf eine nicht-kitschige und unvergleichlich weise art natürlich :P
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