also.
es gibt verschiedene arten von konzertbesuchern.
es gibt die, die wegen der band hingehen. die erkennt man an den t-shirts (natürlich nicht die aktuellen, das ist ja uncool. man trägt ganz alte, am besten die von der ersten platte). die sind harmlos.
dann gibt es die, die wegen der musik hingehen. die tragen auf keinen fall ein bandshirt. dafür rocken sie genauso hart wie die wegen-der-band-hingeher. sie haben auch schon gefühlte fünftausend konzerte besucht und betrachten das alles ganz nüchtern. liam war schlecht gelaunt? ach, das hatten wir schon. meine güte, haste gesehen, wie besoffen der war? das hat der aber neulich, also vor zwei jahren in münchen, also, da hat er das besser gesungen.
kommen wir zu denen, die nerven.
das sind zum einen die, die nur einen einzigen song kennen und den auch nur so halb. und sie wissen auch nich, was der da eigentlich singt, aber das lief doch immer auf viva! und sie haben das als klingelton! polyphon! das sind die, die rechts und links und hinten und überall leuchten, denn sie sind nicht wegen der musik da. oh nein, die sind wegen ihrer handys da. die halten sie nämlich die ganzen anderthalb stunden stoisch nach oben und machen hundertsiebzig mal dasselbe bild von dem gitarristen, wieheißternoch, und dutzenden ausgestreckten händen, die sein gesicht verdecken. aber wenn man genau hinguckt, dann sieht man, dass er's ist! cool! für die art fans, die wegen der band oder der musik da sind, ist das deshalb nervig, weil sie wegen der ganzen blinkenden handys nichts mehr sehen können. wenn man dann auch noch, wie ich, nicht gerade einsneunzigohneabsätze ist, sieht man unter umständen mehr displays mit beschissener auflösung als bühne. und das gegacker über mehr oder weniger gelungene bilder übertönt dann bald auch die musik. und dafür kann man auch zuhause bleiben.

die zweite gruppe, die nervtnervtnervt sind balzende pärchen, und zwar die, die eigentlich noch nicht so ganz, aber fast, aber eben noch nicht würklich zusammen sind. dazu bedarf es eben noch eines konzertes. dummerweise ist es dieses hier. und die beiden kreischen sich die ganze zeit idiotien in die öhrchen, nur um den anderen mal anzufassen, hihi. steht nun jemand wie ich dahinter, ist schunkeln unvermeidlich, denn man muss ja ständig von links nach mittig nach rechts gucken, weil die sich ständig ganz geistreich zusammenpappen und übertrieben lachen, um sich dann wieder ganz unverbindlich auseinanderzuzerren, denn man ist ja noch nicht zusammen.
oft landen solche pärchen folgendermaßen auf konzerten: er will sie beeindrucken und schleppt sie zu seiner lieblingsband, die sie aber irgendwie nicht so richtig kennt. also eigentlich gar nicht. das erkennt man daran (steht man daneben oder dahinter), dass sie das ganze konzert über nicht mal zuckt oder mitsingt. er dagegen gröhlt alle (bekannten) songs mit seinem kumpel, der zufällig auch da ist, als wär man hier auf schalke, und glaubt, das würde sie beeindrucken. tut es aber nicht, sie kennt die band ja nicht. also kauft er ihr im laufe des konzerts noch ein bier und sie gehen vor der zugabe (sagt ihr ja eh nix), damit er endlich mal ran darf. das wiederum finde ich dann auch klasse, dann seh ich ja wieder was.
handys kommen allerdings häufiger vor als balzpärchen. und sie nerven auch weitaus mehr. ich persönlich finde es unerträglich, dass es anscheinend ein sport geworden ist, ein konzert nur wegen der verpixelten und verwackelten handyfotos zu besuchen, die man dann ins netz stellen kann, damit jeder weiß, dass man da war. ich gehe nicht wegen dieser fotos auf konzerte, sondern wegen der musik. ich möchte ein konzert nicht durch ein display erleben und mich hinterher fragen, was eigentlich gespielt wurde, ich weiß das doch nicht, ich musste doch beschissene fotos machen!
wenn ich rockstar wäre und ich käme auf eine bühne und würde begrüßt von nichts als handy-displays, dann wär aber polen offen, ichkanndirsagen. ich kann jeden rockstar verstehen, der das scheiße findet und sich die guten alten feuerzeuge zurückwünscht.
ich habe während des konzertes mehrfach kontempliert, dem ekstatisch handyfotos knipsenden indiemädchen neben mir ein feuerzeug anzubieten, nur damit sie auch was davon hat. aber dann war mir mein feuerzeug zu schade. anfangs jedenfalls, nach einer weile war mir eher danach, ihre hippe frisur damit in brand zu setzen, weil sie mir ständig die sicht mit ihrem handy versperrte.
etwas genugtuung erfuhr ich zumindest am ende des konzertes, als das licht anging und keiner sich mehr hinter seinem bier verstecken konnte. das ist dann ja immer ähnlich wie nach einem kinoesuch oder der morgen nach einer party - plötzlich sehen alle so menschlich aus. und man findet allerlei kram auf dem fußboden, der undefinierbar klebt. unter anderem hielten einige portemonnaies in die höhe, die wohl verloren gegangen waren im moshpit. und einer hielt ein handy hoch, dessen display kaputt war, als wär's eine trophäe. davon hätte ich nun wiederum gern ein foto gehabt.


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