Freitag, 6. Februar 2009

natürlich weiblich

ich habe angst. und weil es ein tick von mir ist, habe ich grad mal "ich habe angst“ bei google eingegeben. das ergebnis: viele psychoseiten, u.a. www.depri.ch. natürlich konnte ich daran nicht einfach so vorbeigehen, schon allein weil ich den namen so fürchterlich fand. der inhalt war dann auch ganz scheußlich deprimierend (zumindest scheint der URL-name sehr gut zu passen), so dass ich dann schnell wieder von der seite runter bin, vor allem weil ich leider keine 17 mehr bin, sonst wäre die geschichte wohl anders ausgegangen. dieses kurze erlebnis hat meine relation zur benutzung des wortes "angst" situativ verschoben, ich brauche also dringend einen neuen anfang für diesen text. "holy shit," so wird mein text anfangen. genau. und achtung, jetzt kommt’s:

ho-ly shit! ich fasse es nicht. ich wurde neulich von einer freundin gefragt, ob ich am wochenende zu einer veranstaltung mitkommen will namens: "sind lesben frauenfeindlich?" meine begeisterung hielt sich zwar zu dem zeitpunkt bereits in grenzen, aber ich dachte noch: naja, danach gehen wir ja ohnehin noch in die kneipe, und wenn die veranstaltung doof wird, trink ich halt 2-3 bier mehr als geplant. ich hatte also voreilig quasi schon zugesagt.

heute dann - ich weiß gar nicht, wieso - sah ich mir das ganze noch mal an und las plötzlich mit entsetzen, wer die referentin bei dieser veranstaltung sein wird: eine matriarchatsforscherin. und nicht irgendeine, sondern durchaus eine bekanntere. nicht direkt maria mies, aber nah dran. ich erinnerte mich sofort an ein erlebnis während meiner studienzeit, als eine frau aus meiner feministischen politgruppe hinausdiskutiert (klingt besser als "rausgeschmissen") wurde, weil sie sich positiv über ökofeministinnen – und speziell heide göttner-abendrot – äußerte, ihr sogar eine email von unserem offiziellen account schrieb. damals habe ich so viel zeit in diskussionen über den matriarchatsdreck gesteckt, dass es für ein ganzes leben reicht. außerdem habe ich gelernt: mit ökofeministinnen zu diskutieren macht keinen sinn. sie haben eine so grundlegend andere auffassung von feminismus, dass wir quasi zwei verschiedene sprachen sprechen. wenn ich nur an den ganzen biologistischen dreck denke, der da vertreten wird und das ewige aufwerten-wollen der "weiblichen eigenschaften" (wtf?).

aber was nun? die veranstaltung naht! ich sehe folgende weitere vorgehensweisen, die in frage kommen:
  1. ich gehe hin und diskutiere mit. dies wird halt wie erwähnt keinerlei sinn haben. schlimmstenfalls sind alle von mir genervt, weil niemand dort meine meinung teilt.
  2. ich gehe hin und halte meine klappe. nachteil: ich rege mich innerlich so auf, dass mir sicherlich eine ader platzt, vielleicht eine auf der stirn. und dann das ganze blut. das kann nicht die lösung sein, und carrie-imitate sind ohnehin zum scheitern verurteilt. oder ich könnte statt mich aufzuregen ständig die augen verdrehen, heimlich auf die referentin zeigen und doofe grimassen ziehen. vielleicht werfe ich mit kleinen papierkügelchen. oder so. aber nach einer weil würde ich sicherlich entdeckt werden. riskant. oder wie meine chefin sagen würde: riskiert.
  3. ich gehe nicht hin und komme später in die kneipe nach. doof: die leute aus der veranstaltung reden vielleicht in der kneipe weiter über das thema und dann steh ich vor dem gleichen problem.
  4. ich gehe nicht hin, schalte handy und telefon aus und tue am tag danach so, als wäre ich vor dem fernseher eingeschlafen oder hätte das datum / den ort / die uhrzeit verwechselt oder irgendwas.
  5. ich gehe nicht hin und erkläre dies jeder die es hören will mit den oben genannten gründen. alle halten mich für eine radikal-emanze und mein guter ruf ist wieder hergestellt.

4 Kommentare:

  1. lol
    guter text. stellen sich nur zwei fragen:

    1. warum haben sie angst (davor den Termin abzusagen?)?

    2. was zeichnet eine "radikal-emanze" eigentlich aus?

    viele grüße jbf

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  2. 1. einerseits weil das vielleicht niemand versteht und ich für hysterisch gehalten werde und andererseits weil mein soziales umfeld oft allergisch auf absagen reagiert - vor allem solche, in letzter minute - kann man ja auch ein wenig verstehen ;)
    2. da zitiere ich mal schnell frei marx: "radikal sein ist die sache an der wurzel fassen." und das auf den feminismus übertragen ist eine radikal-emanze. klar, oder?

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  3. also je nach laune/konfrontations-toleranzschwelle an dem tag würd ich mich zwischen option 4. und 5. entscheiden. das mit dem blut find ich aber auch irgendwie toll. no offense.

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  4. Ich kann die Feministiten leider nicht verstehen!

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