einer meiner lieblingsfilme ist „hedwig and the angry inch“. neulich habe ich ihn mir als theater-version in frankfurt angesehen. und abgesehen davon, dass ich mit der interpretation nicht ganz einverstanden war, war es eigentlich ganz nett - bzw es hätte nett sein können. ein trashiges theater, die lieder waren gut gesungen, ich war mit charmanter begleitung dort etc pp.
whether you like it or not: hedwig!
links neben mir saß jedoch eine frau, die ich sofort extrem spießig fand, so mit klunkerkettchen und trübem blick. das dramatische kam, als das stück begann: die frau drehte völlig ab, sie begann auf ihrem sitz auf und ab zu springen wie ein hyperaktiver duracell-hase, der sich an crystal meth verschluckt hatte. sie klatschte euphorisch und viel zu lang, schrie ekstatisch „whoohooooooo“ und warf ihren kopf in den nacken als wäre sie gerade dem exorzisten entkommen. das schlimmste war ihr permanentes wippen zur musik. theatersitze sind ja leider je reihe miteinander verbunden, so dass ich bei jedem lied fast aus meinem sitz katapultiert wurde. während ihrer wilden ausbrüche sah sie immer mal wieder rechts und links die reihe entlang als wollte sie alle anwesenden zum mitschunkeln animieren. zum glück erfolglos.
daraus, wann sie am lautesten klatschte und aus ihrem blickkontakt mit einer der schauspielerInnen erschloss sich uns, dass sie die mutter der einen darstellerin war (als diese am ende ohne ihr kostüm auf der bühne stand, war die äußerliche ähnlichkeit zwischen beiden auch nicht mehr zu leugnen). als ich bereits davon überzeugt war, dass es nicht mehr schlimmer werden könnte, begann die wahnsinnige neben mir auch noch, die lieder mitzusummen! gerade als ich mich dazu durchgerungen hatte, sie einfach möglichst unauffällig zu erwürgen und unter ihren sitz zu stopfen, hörte sie glücklicherweise wieder auf - zumindest mit dem summen.
dabei habe ich meistens eher glück. im kino sitzt so gut wie nie jemand mit riesenkopf vor mir, im wartezimmer meiner ärztin wagt sich kein sabberndes kleinkind neben mich, und menschen mit deo-verlust meiden mich zum glück auch. aber wenn ich dann doch mal pech in der platzwahl habe, dann auch gleich so richtig. ganz oder gar nicht! tod oder freiheit. irgendwie ist das fast entzückend. es hat sowas liebevoll fatalistisches.
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